in Technik

The Most Personal Product

… „ziemlich dick aufgetragen“ dachte ich mir, als Tim Cook immer wieder betonte, dass die Apple Watch „The most personal product, we’ve ever made“ ist. Anfangs dachte ich mir, er meint damit die Individualisierbarkeit der Watch, mit den schier unzähligen Kombinationsmöglichkeiten der Gehäuse und Armbänder. Aber jetzt, nach 2 Wochen mit der Apple Watch am Handgelenk, beginne ich, zu verstehen. Die Apple Watch ist tatsächlich „The most personal product, i’ve ever used.“

In den letzten 2 Jahren hatte ich ja eine Pebble am Handgelenk. Sie befreite mich vom Zwang, ständig auf das iPhone zu schielen, weil ja eine Nachricht reinkommen könnte. Es war sehr entspannend, einfach durch die Vibration am Handgelenk benachrichtigt zu werden. Ich ließ mir alle Notifications, die ich bekam 1 auf die Pebble pushen, und es war ok. Unwichtige Sachen waren ja schnell weggedrückt. Die Apple Watch hat dann natürlich sofort meine Pebble ersetzt, und ich ließ mir erst auch alle Notifications ans Handgelenk schicken. In den letzten 2 Wochen stellte ich aber fest, dass die Apple Watch nicht einfach nur ein Pebble-Ersatz ist.

Die Apple Watch ist persönlicher. Sie benachrichtigt mich nicht mit einer plumpen Vibration nach dem Motto „HALLO! HIER! SCHAU MAL!“, sondern sie tippt mich leicht an. Es ist weniger eine einfache Benachrichtigung, und mehr ein „Tip Tip. Kann ich mal kurz Deine Aufmerksamkeit haben?“. Ich habe jetzt nach und nach alle unwichtigeren Benachrichtigungen abgestellt, und bin noch weiter am Verfeinern2. Im Grunde beschränke ich mich jetzt auf persönliche Kommunikation. Unter Anderem Emails nur noch von „VIPs“, und iMessages, welche überwiegend von meiner Frau kommen. Und ich kann Mark D. Miller nur recht geben. Es ist, als würde sie mich persönlich antippen, um kurz meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Und da haben beispielsweise Newsletter nichts verloren. Ich möchte nicht, dass mich eine Mail von Amazon, dass ich doch xyz kaufen könnte, antippt. Meine Frau darf das aber durchaus sehr gerne. Und seit ich die Benachrichtigungen so eingeschränkt habe, bekommen die Taps auch mehr Aussagekraft und Gewicht.

Die Nachrichten werden persönlicher, weil sie nicht mehr nur sichtbar, oder hörbar sind, sondern weil sie jetzt auch spürbar/fühlbar/erfahrbar sind. Wer keine Watch hat, wird das vermutlich nicht verstehen, aber Apples Taptic-Engine macht die Uhr zu mehr als nur einem technischen Spielzeug, zum „Most personal product … “. Und ich kann mir, ohne es im Moment testen zu können, sehr gut vorstellen, dass Digital Touch viel mehr ist, als reine Spielerei. Ich denke, dass es viel dazu beitragen kann, sich verbunden zu fühlen, und dem Anderen nahe zu sein, obwohl man räumlich weit entfernt ist. Jemandem seinen Herzschlag spürbar ans Handgelenk zu schicken ist natürlich nichts für Kommunikation mit Leuten, die man nur flüchtig kennt3, aber ich denke, es ist eine großartige Sache, um mit seiner Familie verbunden zu sein. Nicht 20x am Tag. Aber immer wieder mal, zwischendurch, als besonderen Moment.


  1. Und das waren wirklich nicht wenige. 
  2. Ich denke, dieser Prozess ist normal. Man muss erstmal seine Bedürfnisse ausloten. 
  3. Hier ist es dann wirklich nur technische Spielerei. 

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